Wirkung, die Geschichten schreibt
Mit Neugier, Ausdauer und Teamgeist gemeinsam wachsen.
Als die Robonauten 2023 als kleines privates Team in der FIRST LEGO League starteten, gab es weder einen Trainingsraum noch einen Wettbewerbstisch. Die Geschwister Lars, Nora und ihre Freunde mussten sich zunächst alles selbst aufbauen: von der Werkbank bis zum Verständnis, wie ein Robotikwettbewerb überhaupt funktioniert. Ihren ersten Wettbewerbslauf legten sie erst am Vorabend des Regionalwettbewerbs fest.
Heute zählt das Team zu den erfolgreichsten FIRST LEGO League Teams der D-A-CH-Region und gewann 2026 sogar den Canada Cup of Robotics. Doch die eigentliche Erfolgsgeschichte lässt sich nicht in Pokalen messen.
Über mehrere Jahre hinweg lernte das Team, komplexe Herausforderungen eigenständig zu lösen, sich über Monate selbst zu organisieren und Rückschläge als Chance zur Verbesserung zu verstehen. Programmierung, Robotik, Forschung und Projektmanagement wurden dabei ebenso selbstverständlich wie Teamarbeit, Kommunikation und Durchhaltevermögen.
Besonders eindrucksvoll zeigte sich diese Entwicklung in der vergangenen Saison: Während Teammitglied Lars ein halbes Jahr als Austauschschüler in den USA lebte, stieß die zehnjährige Annika neu zum Team. Anstatt das Projekt auf Eis zu legen, entwickelten die Teammitglieder neue Formen der Zusammenarbeit über Kontinente hinweg. Nora und Annika testeten vor Ort, programmierten und dokumentierten ihre Fortschritte, Lars gab aus den USA Feedback und gemeinsam wurden die Lösungen Schritt für Schritt verbessert. Die räumliche Distanz wurde zu einer Gelegenheit, Verantwortung zu übernehmen und neue Wege der Zusammenarbeit zu finden.
Auch Rückschläge gehörten zum Lernprozess. Beim DACH-Finale verhinderten schwierige Lichtverhältnisse ein gutes Robot-Game-Ergebnis. Statt aufzugeben, analysierte das Team die Ursachen, nahm Feedback an und arbeitete konsequent weiter. Diese Fähigkeit, Frustration in Motivation umzuwandeln, wurde zu einer ihrer größten Stärken.

Der Coach und Vater des Teams versteht seine Rolle dabei bewusst nicht als Problemlöser, sondern als Lernbegleiter: „Die Kinder sollen erleben, dass sie Herausforderungen aus eigener Kraft bewältigen können. Genau diese Selbstwirksamkeit ist das Wertvollste an der FIRST LEGO League.“
Dass dieser Ansatz wirkt, zeigt sich weit über den Wettbewerb hinaus. Die Jugendlichen treten heute deutlich selbstbewusster auf, arbeiten strukturiert im Team und bewegen sich selbstverständlich in internationalen Kontexten. Beim Canada Cup arbeiteten sie in der Alliance Challenge mit einem Team aus Utah zusammen. Aus der gemeinsamen Aufgabe entstand eine internationale Freundschaft. Gleichzeitig hat Lars während seines Schüleraustauschs in den USA sogar ein neues FIRST LEGO League Team mit aufgebaut.
Für das Team ist FIRST LEGO League längst mehr als ein Robotikwettbewerb. Es ist ein Ort, an dem sie erleben, dass Ausdauer, Zusammenarbeit und Neugier zu echten Lösungen führen. Oder, wie Coach und Team nach dem überraschenden Gesamtsieg in Kanada zusammenfassen: Der größte Erfolg war nicht der Pokal, sondern die Erfahrung, dass Ausdauer, Teamarbeit und die Bereitschaft, immer wieder dazuzulernen, zum Ziel führen.
Teamgeist, Technik und Durchhaltevermögen: Ein Erfahrungsbericht aus Coach-Perspektive
Im Januar 2026 durfte ich unsere Schule als Coach bei der Teilnahme am FIRST LEGO League Wettbewerb begleiten. Zwei Teams hatten sich über mehrere Monate intensiv vorbereitet: ein Jungenteam sowie ein Mädchenteam, die beide mit jeweils acht motivierten Schüler:innen in das Schulhalbjahr starteten.
Die FIRST LEGO League verbindet auf besondere Weise MINT-Fächer, Kreativität und Teamarbeit. Neben dem Programmieren eines LEGO-Roboters, der innerhalb von 2:30 Minuten möglichst viele Aufgaben auf einem Spielfeld lösen muss, ist auch eine Forschungsarbeit fester Bestandteil des Wettbewerbs. Das diesjährige Thema lautete „UNEARTHED“ („Ausgegraben“) – Archäologie und alles, was dazugehört.
Forschen wie echte Wissenschaftler:innen
Für die Forschungsarbeit tauchten die Teams tief in die Welt der Archäologie ein. Ein besonderes Highlight war für uns alle ein Online-Termins mit einer Archäologin und Ägyptologin, die bereits an Ausgrabungen in Ägypten beteiligt war. Die Schüler:innen schrieben E-Mails und baten um einen Termin und erhielten dann spannende Einblicke in den Berufsalltag, lernten wissenschaftliche Arbeitsweisen kennen und konnten wertvolle Tipps für ihre eigene Projektarbeit sammeln.

Lernen heißt auch scheitern dürfen in unsrem Fall sogar hin und wieder zu müssen Nicht immer lief in der Vorbereitung alles reibungslos – und genau darin lag ein großer Lerngewinn. Ich habe die Kinder dabei begleitet zu erleben, dass ein LEGO-Roboter kein Hochpräzisionsfahrzeug ist und manchmal trotz identischem Programm unerwartet reagiert. Auch beim Programmieren zeigte sich immer wieder: Nicht jede Lösung funktioniert sofort.
Frustration aushalten, Fehler suchen, ausprobieren, wiederholen – Trial and Error war ein zentrales Element der Arbeit. Besonders wichtig war mir, den Kindern zu vermitteln, wie essenziell es ist, logische Zusammenhänge zu verstehen und Ergebnisse mehrfach zu überprüfen.
Flexibilität und Zusammenhalt im Team
Im Verlauf des Schulhalbjahres kam es insbesondere im Mädchenteam zu personellen Veränderungen, die Rückschläge und Zeitverlust bedeuteten. Umso beeindruckender war es für mich zu sehen, wie die verbliebenen drei Teammitglieder die umfangreichen Aufgaben mit großem Engagement, Zusammenhalt und Stärke bewältigten. Auch am Wettbewerbstag selbst traten beide Teams krankheitsbedingt in reduzierter Besetzung
an – sechs Jungen und zwei Mädchen –, was ihre Leistungen für mich noch bemerkenswerter machte.
Ein intensiver Wettbewerbstag in Schnelsen
Der Regionalwettbewerb in Schnelsen war hervorragend organisiert und erstreckte sich über den gesamten Tag. Die Atmosphäre war geprägt von Spannung, Begeisterung und gegenseitigem Respekt. Besonders das Jungenteam konnte hier große Erfolge erzielen: Es erhielt den Preis für die beste Forschungsarbeit, wurde mehrfach nominiert und sammelte schließlich genügend Punkte, um sich für den Qualifikationswettbewerb Nord
in Braunschweig zu qualifizieren. Dieser fand leider in den Ferien statt, sodass nicht alle Teammitglieder teilnehmen konnten. Dennoch war es für mich und die teilnehmenden Kinder eine sehr wertvolle Erfahrung: andere Teams kennenzulernen, voneinander zu lernen und zu sehen, wohin die Reise im Bereich Robotik führen kann.
Mehr als ein Wettbewerb
Für beide Teams galt gleichermaßen: Teamarbeit ist entscheidend. Im Wettbewerbsmodus liegen manchmal die Nerven blank – ich habe miterlebt, wie die Schüler:innen lernten, dies zur Seite zu schieben, sich zu fokussieren und gemeinsam das Beste aus sich und dem Team herauszuholen.
Am Ende standen nicht nur Erfolge und Urkunden, sondern vor allem stolze Kinder, die als Team zusammengewachsen sind, den Lego-League-Spirit des fairen und freundlichen Miteinanders leben und mit Freude an MINT, Technik und Knobeleien arbeiten.
Ich bin sehr stolz auf alle teilnehmenden Schüler:innen und danke der Schule herzlich dafür, dass sie den Kindern diese wertvolle Erfahrung ermöglicht und ihnen den Raum gibt, ihre Interessen, ihr Durchhaltevermögen und ihr Selbstbewusstsein zu entwickeln. Mit viel Motivation blicken wir bereits jetzt auf das nächste Jahr – hoffentlich wieder mit spannenden Aufgaben, starken Teams und ganz viel Begeisterung.
Eure Mariam Strobel
Eine weitere Story wird hier bald erzählt.
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